Tagung Call for Papers

10.12. - 11.12.2021

 

Call for Papers

Konstruktion, Darstellung und Rezeption genealogischen Wissens in Mittelalter und Früher Neuzeit

Veranstalter

Dr. Giuseppe Cusa

RWTH Aachen University, Wissensdiskurse des Mittelalters cusa(at)histinst.rwth-aachen.de

Dr. Thomas Dorfner

RWTH Aachen University, Geschichte der Frühen Neuzeit

dorfner(at)histinst.rwth-aachen.de

Datum und Veranstaltungsort

10.–11. Dezember 2021

 

Bewerbungsschluss

15. Juli 2021

 

 

Konstruktion, Darstellung und Rezeption genealogischen Wissens in Mittelalter und Früher Neuzeit

Unter „Genealogie“ versteht man bekanntlich zweierlei: Zum einen das Forschungsgebiet – in der Geschichtswissenschaft: eine Historische Hilfswissenschaft –, das sich mit den Verwandtschaftsverhältnissen zwischen Personen befasst. Zum anderen eine zentrale kulturelle Ordnungs- und Denkform vergangener Epochen. Die Tagung wird sich dieser Ordnungs- und Denkform in kulturgeschichtlicher und interdisziplinärer Perspektive widmen. Sie wird den Umgang der Zeitgenossen mit genealogischem Wissen fokussieren und nach dessen Konstruktion, Darstellung und Rezeption fragen. Der Fokus wird mithin auf genealogische Wissensdiskurse gerichtet sein, nicht jedoch auf die geschichtswissenschaftlichen Rekonstruktionen von Verwandtschaftsverhältnissen.

Mit Blick auf die Wissenskonstruktionen ist nach den verschiedenen Akteuren, ihren Kenntnissen und Absichten zu fragen. Unterschiedliche Akteursgruppen – vom Adel über das Bürgertum zu darunter stehenden Schichten – haben in der einen oder anderen Form ihr genealogisches Wissen gesichert und verfügbar gemacht. Was wussten die Urheber genealogischer Zeugnisse von den festgehaltenen Abstammungs- und Verwandtschaftsverhältnissen, oder: was meinten sie zu wissen? Von besonderem Interesse ist in diesem Zusammenhang auch, woher man die (vermeintlichen) genealogischen Informationen bezog und zu welchem Zweck man diese benötigte und/oder verarbeitete. Herkunft und Verwandtschaft waren eine Ressource, etwa für den gesellschaftlichen Rang, für Heiratsverbindungen oder Amtsausübungen. Genealogie konnte daher nicht nur legitimieren, sondern auch disqualifizieren.

Zudem kommt der medialen Verarbeitung des genealogischen Wissens eine wesentliche Bedeutung zu, da sie nicht nur Auskunft über sprachliche oder handwerkliche Fertigkeiten der Urheber gibt, sondern auch Indizien über die Darstellungsabsichten, Adressatenkreise und Verfügbarkeit der die Genealogie(n) verarbeitenden Hinterlassenschaften liefert. Die ursprünglich und oftmals noch bis ins Hochmittelalter mündlich tradierten Wissensbestände manifestierten sich bekanntermaßen in verschiedenen Formen: schriftliche Abhandlungen, bildliche Darstellungen, in Stein gehauene Vorstellungen und vieles mehr. Zu berücksichtigen ist folglich die Überlieferungsform, also zum einen die Objektart, zum anderen, ob es sich um das Original oder Kopien handelt.

Von ausgesprochenem Interesse unter dem Gesichtspunkt des Wissensdiskurses ist die Rezeption des bereitgestellten genealogischen Wissens. Wie wurde dieses in Inhalt und Form wiederaufgegriffen? Inwiefern bot sich die Gelegenheit zur intermedialen Nutzung und Verarbeitung des Informationsangebots? Genealogisches, aber auch andersgeartetes Wissen wurde nicht immer vorbehaltlos aufgegriffen, sondern konnte modifiziert, angefochten oder zurückgewiesen werden ­– etwa aus Gründen der Identitätskonkurrenz oder der kritischen Hinterfragung des transportierten Wissens.

Die Tagung wird von den Geschichtswissenschaften an der RWTH Aachen University veranstaltet, die „Geschichte als Wissenskultur“ zu einem Ihrer Forschungsschwerpunkte erhoben hat. Sie soll am 10.­–11. Dezember 2021 online via zoom stattfinden. Interessierte Wissenschaftler*innen aus den Geschichtswissenschaften und weiteren Fachdisziplinen sind herzlich eingeladen, bis zum 15. Juli 2021 ein Abstract von ca. 300 Wörtern für einen 20–25minütigen Vortrag in deutscher oder englischer Sprache an cusa(at)histinst.rwth-aachen.de einzureichen. Eine Auswahl der Beiträge erfolgt bis Ende Juli 2021. Eine Publikation der Tagungsbeiträge ist – vorbehaltlich der Bewilligung einer Finanzierung – angedacht.